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50 Jahre Elektronische Patientenakte

1968 ging am 1. Januar die erste elektronische Patientenakte (EPA) in Routine. Das ist Anlass zum Feiern, aber auch zu kritischem Rückblick und zur Diskussion der Ursachen des Scheiterns von BAIK.

Wichtige Frage: War das 1967/68 eine EPA?

Auf der Platte (IBM 2314) des Computers (IBM 360/30) im Rechenzentrum der Stadt Duisburg waren pro Patient der Schilddrüsen-Ambulanz der Nuklearmedizinischen Abteilung (Leiter Dr. H.A.E. Schmidt) die folgenden Daten gespeichert:

  • Patientenidentifikation mit Namen, Adresse, Versicherung usw. (Inhalt der RENA-Adressette)
  • Anamnese, vom Patienten ausgefüllt, vom Arzt validiert und nötigenfalls ergänzt
  • Ärztlicher Untersuchungsbefund (status praesens) vom Erhebungsbogen
  • Laborbefunde (von Erhebungsbogen mit Papierstreifen der Messgeräte)
  • Ärztliche Szintigramm-Beurteilung (Erhebungsbogen)
  • Diagnose und Therapievorschlag (Protokoll des Schlussgespräches, ärztlicher Erhebungsbogen)

Alle teils kodierten, teils klartextlichen Daten wurden auf Lochstreifen erfasst und in die EDV-Anlage eingelesen. Wenn der Datensatz vollständig war, erfolgte vollautomatisch die Dekodierung und Erstellung des Arztbriefes, als wäre er diktiert. Der Arzt musste unterschreiben, falls der Text keine Fehlerhinweise enthielt oder sonst Fehler korrigieren (lassen). Die (korrigierten) Daten blieben gespeichert.

 Fazit: Ja, es handelte sich um eine echte elektronische Patientenakte, entwickelt 1967, in Routine ab 1.1.1968. Das war vor 50 Jahren und es war die erste (In den Vereinigten Staaten von Amerika begann Octo Barnett mit der Entwicklung von COSTAR, der Pionieranwendung, im Oktober 1968). Sie genügte meinen 2002 im Deutschen Ärzteblatt publizierten Kriterien: 'Prüfsteine für die digitale Patientenakte'.

Bei meiner Emeritierung im Jahre 2003 klar war klar: BAIK wird wegen mangelnder Pflege sterben, weil kein Nachfolger für mich gesucht und mein Institut (ZInfo) geschlossen wird. Deswegen habe ich damals einen Rücklblick auf das sterbende BAIK formuliert im Vergleich zu dem erfolgreichen System VistA der US-Veterans Administration. Auch wenn dieses Papier unvollendet und unpubliziert blieb, taugt es, meine ich, ganz gut als Ausgangsbasis für Kritik:  'Principles of an active Electronic Health Record (aEHR), Lessons learned from BAIK'.

In diesen BAIK-Web-Seiten versuche ich zum 50-jährigen Jubiläum erneut, die Geschichte und alle Aspekte möglichst vollständig zu erschließen, um Diskussion anzuregen. Für Anregungen zur Verbesserung bin ich dankbar und verspreche, sie einzubauen, solange ich dazu in der Lage bin (WG).